Abraham, abrahamitische Kultur, Bedeutung für Gegenwart, Melchisedek
Bei folgenden Texten handelt es sich um Textreferate zu Ausführungen aus dem Gesamtwerk Steiners, die zur Meditation einladen. Man bedenke, daß Steiner sich mitunter der symbolischen Sprache bedient: vermeintliche Tatsachenaussagen verweisen in Wahrheit auf einen möglichen inneren Prozess in der Seele des Zuhörers.

GA verweist auf den Band der Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe, die Zahl auf die Seitennummer. Das Datum zu Beginn jedes Aphorismus verweist auf das Erscheinungsjahr des Buches oder das Datum des Vortrags. Bei Vorträgen muß berücksichtigt werden, daß der authentische Wortlaut Steiners nicht immer gesichert ist.

Abrahamitische Kultur –
Die Kultur von der alles Heutige ausgegangen ist


Textreferate

Die "urjüdische” Kultur wurde nach Steiners Auffassung durch Abraham begründet. In Abraham floßen alle Geheimnisse und Weisheiten der drei vorangegangenen Kulturen zusammen. Abraham war auch der Stammvater des hebräischen Volkes, das durch diesen bei der Begründung der abendländischen Zivilisation und des Christentums eine zentrale Mission erhielt. Die vierte Kulturepoche (747 v.C.-1413 n.C.) wurde in den Initiationsschulen der nachatlantischen Zeit vorbereitet. Aus der Mitte dieser Initiationsschulen (Mysterien) ging der Begründer der vierten Kulturepoche hervor. Die Bibel nennt ihn Abraham. Abraham, der aus Ur in Chaldäa stammte, war zum Extrakt der drei vorangegangenen Kulturepochen herangebildet worden: der von den sieben Rishis begründeten urindischen, der von Zarathustra begründeten urpersischen und der von Hermes begründeten ägyptischen. Indem abraham die jüdischen Patriarchen initiierte, entwickelte sich aus den drei alten Kulturen die vierte Kultur, das "Urjüdische”, von dem "alles herstammt, was man als vierte” Kulturepoche "bezeichnet”. Denn auch die althellenische und die altrömische Kultur (die griechische und lateinische) gehören zu dieser urjüdischen Kultur. (93a.257f) Die griechische Kultur ist für Steiner die Kunstreligion des im Menschen vollendeten Gottes, die römische die Kultur des als Erdenbürger vollendeten Menschen. Zwischen beiden geht aus dem "Urjüdischen” der Essäer Jesus hervor, der den Chrisus in sich aufnimmt, um durch die Menschwerdung Gottes die Gleichheit aller Menschen in Gott zu begründen.

Abraham begründete das Denken auf dem die ganze gegenwärtige Zivilisation fußt

Was der Menschheit anerzogen wird, muß immer von einer einzelnen menschlichen Individualität ausgehen. Fähigkeiten, die später viele Menschen besitzen sollen, müssen erst von einem Einzelnen erworben werden. (117.173) Abraham, der Stammvater des hebräischen Volkes, wurde von den Initiierten ausgesucht, weil sein Gehirn (Leib) geeignet war, das urteilende Denken zu entwickeln. (117.39)

Abraham leitete die Kultur ein, deren Früchte noch heute der ganzen westlichen Kultur und Zivilisation einverleibt sind. Zu diesen Früchten gehören das kombinatorische Denken und die mathematische Logik, die durch Abraham eingeleitet wurde. Noch das Mittelalter sah in Abraham "in gewissem Sinn” als Vertreter der Arithmetik an. Die ganze Anlage seines Denkens machte ihn geeignet, die Welt nach dem Verhältnis von Maß und Zahl anzusehen. (117.40)

Man berücksichtige für diesen Themenkomplex die zentrale Bedeutung, die Steiner dem Denken beim okkulten Schulungsweg zumisst.

Abraham wandelte die Kräfte des einstigen Hellsehens in Kräfte des Denkens um. Steiner zitiert zur Illustration dieses Vorgangs den Talmud. Eine Legende des Talmud schildert den Vater des Abraham als Feldherrn einer sagenhaften, aber wirklichen Persönlichkeit, die in der Bibel als Nimrod bezeichnet wird. Ein Traum wird Nimrod so gedeutet, daß der Sohn seines Feldherrn viele Könige und Herrscher entthronen werde. Nimrod, der sich vor der eigenen Absetzung fürchtet, befiehlt, den Sohn des Feldherrn zu töten. Diese Legende werde, so Steiner, durch die okkulte Foschung bestätigt. Der Vater des Abraham gibt ein fremdes Kind als seinen eigenen Sohn aus. Abraham entgeht der Tötung und wird in einer Höhle aufgezogen. Abraham ist der erste, der die Kräfte, die für das Hellsehen in der Natur verwendet wurden, nach Innen wandte, um dem Menschen ein inneres Gottes-Bewußtsein zu ermöglichen. Durch Abraham findet eine Umstülpung des gesamten spirituellen Kräftesystems des Menschen von außen nach innen statt. Dieser Vorgang wird von der Legende dadurch angedeutet, daß sie erzählt, Abraham habe durch die Gnade Gottes drei Jahre aus seinem Daumen Milch gesaugt. (123.71f)

Abrahams Leib war so beschaffen, daß er den die Welterscheinungen durchlebenden und durchwebenden Gott Jahve in seinem Innern denkend erfassen konnte. (117.41)

Abraham war der erste, der imstande war, ein denkendes Bewußtsein von Jahve im Inneren zu erwerben. Er wußte aber auch, daß der Gott, der sich den physischen Erkenntniskräften in seinem Inneren ankündigte, mit derselben Stimme sprach, wie der ewige, alles durchwebende Gott der Mysterien. (123.81)

Abraham hatte die Aufgabe, alles, was in der äußeren Welt an Göttlichem verehrt wurde, in das Innere des Menschen zu übertragen. Er mußte Eingeweihte ausbilden, die großen Wert auf das Menschliche legten, die ein Bewußtsein von der Bedeutung ihrer mächtigen Persönlichkeiten hatten. Daher traten bei den von ihm eingewiehten Patriarchen die persönlichen Eigenschaften besonders stark hervor. Besonders die List und Verschlagenheit, die Schlauheit des Denkens (ähnlich wie bei Odysseus) wurden ausgebildet. (93a.257)

Das Denken, das Abraham ausbildete, war das an das physische Gehirn gebundene Denken. Dieses Denken konnte anfangs nur Gemeingut der Menschheit werden, indem es vererbt wurde. (Da eine an eine physische Eigenschaft gebundene Fähigkeit nur durch Vererbung weitergegeben werden kann). Deswegen mußte geradezu von dieser Individualität ein Volk ausgehen, in dem sich diese besondere Eigentümlichkeit vererbte. (117.115)

Abraham bekam die Verheißung: Deine Nachkommen sollen geordnet sein wie die Sterne am Himmel. (123.84) Seine Nachkommenschaft sollte die eigenartige körperliche Konstitution des Stammvaters weiter entwickeln. Seine Nachkommen mußten selbständig den Aufbau des Leibs in die Hand nehmen, um weiterzuführen, was bisher die Götter bewirkt hatten und dies mußte durch viele Generationen hindurch geschehen. Die Fähigkeit, Jahve, den Gott, der früher in der Natur geschaut worden war, denkend zu verstehen, mußte sich durch die physische Vererbung verbreiten. Der Bund des Jahve mit Abraham sollte auch auf die Nachkommen übergehen. Um dies alles zu ermöglichen, war eine ungeheure Hingabe Abrahams an Jahve erforderlich. Abraham steigerte seine Hingabe so sehr, daß er sogar bereit war, seinen Sohn zu opfern, um Gott zu gehorchen. Aber er erhielt seinen Sohn von Jahve selbst wieder zurück. Steiner deutet diesen Mythos so, daß Abraham seine Mission nicht durch sich selbst auf die Nachwelt übertrug, sondern als Gabe des Jahve in seinem eigenen Sohn empfangen habe. (117.42f)

Der Widder, der anstelle Isaaks geopfert wurde, war die letzte Gabe der Götter. Die mystische Symbolik der beiden Widderhörner verweist auf die zweiblättrige Lotusblume, ein Organ des Hellsehens, das geopfert – zur Kraft des Denkens umgewandelt – wurde. (117.44)

Abraham war so organisiert, daß aus seinen Nachkommen zum rechten Zeitpunkt Jesus von Nazareth hervorgehen konnte. Deshalb wurde er von den Initiierten ausgesucht. Um die Anlagen Abrahams zu entfalten, mußte auch manches ausgestoßen werden. Steiner verweit auf die beiden Söhne Abrahams, Isaak und Ismael. Das althebräische Volk stammte von Isaak ab. Andere Eigenschaften des Abraham wurden in die andere Nachkommenschaft, die des Ismael, des Sohnes der ägyptischen Magd Hagar, übergeleitet. (117.65f)

Die Begegnung des Abraham mit Melchisedek birgt ein tiefes Geheimnis der Menschheitsentwicklung. (141.44) Abraham, der Führer seines Volkes werden sollte, wurde bei dieser Begegnung initiiert – wenn auch nicht vollbewußt, wie es in späteren Initiationen der Fall ist – in das Verständnis des umfassenden Göttlichen, das in alle menschlichen Seelen hineinwirken kann. (141.43)

Abraham, der Menschheitsführer eignete sich in der Begegnung mit Melchisedek, oder Malek-Zadik, die Kräfte an, geistig bis zur Sonnen-Sphäre auftzusteigen. Mit geistigen Augen vermochte Abraham das Akasha-Bild des Christus in der Sonnen-Sphäre vollständig anzuschauen. (141.50)

Abrahamitisches Zeitalter und dessen Spiegelung

Wir gehen einer Spzegelung des abrahamitischen Zeitalters entgegen. Diese Spiegelung muß und wird Gewaltiges bringen. (Die vorchristlichen Zeitalter spiegeln sich in den nachchristlichen). (118.119) So spiegelt sich auch die ägyptische Kultur in der gegenwärtigen.

Abrahams Erdenweg und der Stern zu Bethlehem

Den Weg, den Abraham gemacht hat, den geht geistig der Stern, dem die Magier folgen. (117.49)

Abraham und Melchisedek - die Christusprophetie

Abraham lernte das Göttlich-Geistige durch ein physisches Organ, durch physische Erkenntnis erfassen. Er lernte den führenden Weltengott kennen. Es war für ihn unendlich wichtig, zu erkennen, daß der Gott, der sich im Bewußtsein des hebräischen Volkes kundtat, der Gott der Mysterien war, der zu allen Zeiten als die schöpferische und schaffende Gottheit anerkannt wurde. (123.79)

Der große atlantische Sonnen-Initiierte (Manu), ist es nicht ohne weiteres möglich, zu seinen Schülern, die in irgend einer Zeit leben und eine besondere Aufgabe haben, in einer für sie verständlichen Sprache zu reden. Eine so hohe und ewige Individualität wie der große Sonnen-Initiierte, von dem – um den Ewigkeitscharakter dieser Individualität anzudeuten –, mit Recht gesagt wurde, daß man von ihm weder Namen noch Alter, weder Vater noch Mutter anführen sollte, ein solcher großer Führer kann sich nur offenbaren, indem er sich in die Bedingungen und Ausdrucksformen der jeweiligen Zeit einfügt. So nahm der Lehrer der Rishis, der Lehrer des Zarathustra, die Gestalt des Ätherleibes an, der einst Sem, dem Sohn Abrahams gehört hatte und seither aufbewahrt worden war. Die Begegnung Abrahams mit dem großen Eingeweihten des Sonnenmysteriums ist die Begegnung mit dem König, mit dem Priester des höchsten Gottes, mit Melchisedek oder Malek-Zadik. Diese Begegnung ist von größter, von universellster Bedeutung. (123.81f)

Der Lehrer des Zarathustra selbst nahm bei jener Begegnung Einfluß auf Abraham, und schöpfte aus derselben Quelle, aus der später der Christus-Einfluß kam. Die Bibel deutet dies symbolisch an, wenn sie sagt: Melchisedek der König von Salem, dieser Priester des höchsten der Götter, bringt Abraham Brot und Traubensaft entgegen. Brot und Traubensaft werden später beim Abendmahl ausgeteilt. Die Gleichheit des Opfers wird betont, um darauf hinzuweisen, daß Melchisedek aus derselben Quelle wie Christus schöpft. In Abraham ging ein anderes Bewußtsein auf. Er erkannte, daß sein Volk zum Träger einer Erkenntnis jenes Göttlichen geworden war, das sich den Mysterien einst in der Natur und im Kosmos offenbart hatte und das nun im Inneren seines Volkes sprach. (123.83)
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