Wesen und Erscheinung der Anthroposophie
7. Wirklichkeitsverlust als Wurzel allen Übels
Die Wurzel des gegenwärtigen Übels ist der Wirklichkeitsverlust aufgrund eines verengten Bewußtseinshorizontes. Die zentralen existentiellen Fragen des Menschen nach dem Sinn des Lebens, nach seiner Herkunft über den Akt der Zeugung hinaus, nach dem Schicksal von Seele und Geist jenseits des Todes bleiben unerörtert und unbeantwortet, weil sich die Wissenschaften nicht mit diesen Fragen befassen wollen. Der gegenwärtige Mensch leidet, sofern er sich der positivistischen Wissenschaftsideologie unterworfen hat, an einem radikalen Sinnverlust. Er leidet aber auch an den sozialen Folgen der Anwendung dieser Wissenschaft auf das Leben, wenn er im Reservat seines Bewußtseins eine Privatinterpretation der Welt pflegt, die nicht mit der herrschenden übereinstimmt. Kein Mensch kann sich heute den schädlichen Folgen der Verengung des neuzeitlichen Bewußtseins entziehen. Mehr als jemals zuvor ist es gegenwärtig nötig, die verdrängte und vergessene Wirklichkeit wieder zum Gegenstand der Erkenntnisbemühung zu erheben.