Wesen und Erscheinung der Anthroposophie
3. Notwendige Erweiterung des Wirklichkeitsbegriffs
Steiner betonte bereits in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts die Notwendigkeit, die Wirklichkeit in ihrer Komplexität zu erfassen und die Vernetzung ihrer einzelnen Gebiete in einer Totalität von Wechselwirkungen und Interdependenzen zu begreifen. Das global-ökologische Denken ist in seinem Wirklichkeitsbegriff, den er im Anschluß an Johann Wolfgang von Goethe, den deutschen Idealismus und die Romantik umschrieb, bereits vorgeformt, ja mehr noch: philosophisch begründet. In seinem 1886 erschienenen Werk Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung betont Steiner die Notwendigkeit, die komplexe Wirklichkeit mit einer Pluralität von Erkenntnismethoden zu erforschen. Die Reiche des Lebendigen können nicht reduktionistisch aus den Gesetzen der Physik oder mittels einer kausallogischen Denkweise verstanden werden. Die seelische Welt und alles Beseelte nicht in Analogie zu den selbstorganisierenden und selbstreproduzierenden lebendigen Systemen. Vollends kann die Wirklichkeit des Geistes nur aus ihm selbst und dem ihm gleichförmigen erkannt werden.